Blog, Block

 

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Wer längere Zeit in einem Blog nichts Neues bringt, kann schon ein schlechtes Gewissen bekommen. Auf wievieles hätte er schnell und unkompliziert reagieren können und hat es doch unterlassen? Dazu wurde dieser Blog doch eingerichtet! Andererseits liegt es angesichts der rezenten Auseinandersetzung mit Literatur in den Feuilletons und auf den maßgeblichen Podien sehr nahe, darauf mit resigniertem Achselzucken zu reagieren. Und bestätigt man nicht die »Wichtigkeit« dieser Wortführer, wenn man sich von ihnen die Themen vorgeben läßt und diese in Nischen und Foren diskutiert, die von ihnen nicht einmal ignoriert werden, zu ihrer weiteren Proliferation beiträgt? Im Editorial der aktuellen IDIOME schrieb ich:

Einmal mehr stellt sich angesichts des Niveaus solcher Debatten die Frage: Wo steigt man ein, wo besser wieder aus? Was identifiziert man als das mediale Dauerrauschen, das man – nunja, doch besser an sich vorbeirauschen läßt? Wo wird es eventuell gefährlich? Kann, ja möchte man eigentlich mit Leuten diskutieren, die Wolfgang Herrndorf für einen bedeutenden Schriftsteller halten und sich auf vielen Feuilleton-Seiten mit Helene Hegemann auseinandersetzen? Gescheiter ist es sicher, seine Zeit anders zu nutzen.

Allerdings – und das schmälert mein schlechtes Gewissen auch wieder: Nicht einmal der Suhrkamp Verlag mit seinen gewiß nicht unerheblichen personellen und sonstigen Kapazitäten, schafft es offensichtlich, aus seinem Blog, der den anmaßenden Namen Logbuch. Deutschsprachige Literatur heute trägt, ein lebendiges Forum zu machen. Und die Autorinnen und Autoren haben anscheinend auch keine Lust, posten oft nur unerhebliche digitale Schnappschüsse. Viel passiert jedenfalls nicht, Kommentare: Fehlanzeige. Aufmerksam wurde ich auf den Blog, weil mich ein Freund auf den prätentiösen Stuß hinwies, den Durs Grünbein dort in einem »Brief« über seinen Gedichtzyklus Cyrano oder Die Rückkehr vom Mond deponiert hat. Man liest Sätze wie: »Die Figur des Cyrano wiederum ist dazu angetan, von Anfang an das Gefühl für das Phantastische zu nähren.« Grünbein vergißt auch nicht auf den Hinweis: »Man muß sich auch nicht unbedingt in die Geschichte der Mondforschung vertiefen.« Nein, dazu möchte ich wirklich nichts sagen.

 

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