Der Buchhandel schafft sich ab

Die Zeiten sind lange vorbei, als es in jeder Universitäts- oder größeren Stadt mindestens eine auf Literarisches spezialisierte Buchhandlung gab, die eine Reihe von Literaturzeitschriften vorrätig hielt. Dort konnte man in das Schreibheft oder die horen blättern, um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, ob einen der thematische Schwerpunkt interessierte, prüfen, ob einem die Autorenauswahl der aktuellen manuskripte behagte. Die Hefte sind schließlich nicht ganz billig, und nicht jeder hat das große Herz des Lyrikers, der mir einmal erzählte, er würde jede Zeitschrift sogleich abonnieren, die ihn abdrucke. Sicher, die an Zeitschriften Interessierten haben inzwischen mitbekommen, daß sich der Gang in die Buchhandlungen nicht mehr lohnt und informieren sich im Netz – ein richtiger Ersatz ist das aber nicht. Das Literarische Quartier Alte Schmiede in Wien hat auf diesen Mißstand dankenswerterweise mit der Einrichtung einer „Galerie der Literaturzeitschriften“, einem öffentlichen Leseraum, reagiert.

Als die ersten IDIOME herauskamen, bin ich mit dem Heft in die sogenannten besseren literarischen Buchhandlungen in Berlin, Wien und anderswo gegangen, um festzustellen, daß es wohl erfolgversprechender ist, das sprichwörtliche Sauerbier anzubieten. Wer überhaupt bereit war, zwei, drei Hefte in Kommission zu  nehmen, der räumte sie in den hintersten Winkel des Ladens, um sich ein Jahr später darüber zu beklagen, keine oder zu wenige Exemplare verkauft zu haben. Es war ein Elend, und ich sparte mir diese frustrierenden Ausflüge als Bittsteller bald ganz. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich spreche nicht von Buchkaufhäusern oder modischen Läden, die mehr Café oder Lounge sein wollen, ich spreche von jener Handvoll Buchhandlungen, die als kulturell wertvoll und engagiert gelten. Es ist traurig zu beobachten, wie der Buchhandel sich selbst abschafft, wo es doch nur ein Überlebensrezept gäbe: konsequente Spezialisierung, ein Sortiment, das man nicht in jeder Fußgängerzone findet – vielleicht sogar eine gewisse Auswahl an Literaturzeitschriften. Stattdessen orientiert man sich, wenn man nicht gleich auf den Non-Book-Bereich setzt, ängstlich am mainstream.

Die IDIOME, die in kaum einer Buchhandlung zu finden sind, können gleichwohl in jeder bestellt werden, selbstverständlich auch direkt beim Verlag. Gleichzeitig arbeiten wir aber auch daran, zumindest einige Vertriebsstellen abseits des Buchhandels zu schaffen. Im Moment sind das die Galerie MAERZ in Linz und die Kneipe von Bert Papenfuß in Berlin, Rumbalotte Continua.

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