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IDIOME – Neue Prosa im Netz | Florian Neuner

Tag: Gunter Falk

Für die Versenkung

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Es gibt ihn noch, den literarischen Underground – wenn auch nicht unbedingt immer dort, wo irgendwelche Kneipenrebellen sich dafür halten. Otfried Rautenbach freilich darf für sich beanspruchen, mit PФRART, der »Zeitschrift für die Versenkung«, tatsächlich so etwas wie literarische Gegenöffentlichkeit zu organisieren. Die in seinem Heidelberger Verlag für Privatdrucke im 8. Jahrgang erscheinenden Hefte halten noch immer die Copy-Shop-Ästhetik hoch, welche die allermeisten Literaturzeitschriften bis in die neunziger Jahre prägte. Das ist erfrischend angesichts der vielen perfekt und glatt daherkommenden Zeitschriften, die selten so etwas wie ein inhaltliches Anliegen haben. Als Verleger erwarb Rautenbach sich schon in den sechziger Jahren mit dem Verlag Hagar große Verdienste. Dort erschienen Texte und Partituren u.a. von Schuldt und Michael von Biel, auch Gunter Falks Début Der Pfau ist ein stolzes Tier.

Im aktuellen Heft 14 hat Rautenbach Falks »Aufwartung« nachgedruckt – einen Text, der ausschließlich aus comicartigen Ausrufen wie »schnarch«, »poch«, »schmatz« und »quietsch« besteht. Er bringt aber auch Arbeiten von Peter Engstler, Andreas Hansen und Florian Neuner. Und wenn man in der »Zeitschrift für die Versenkung« auch auf IDIOME-Autoren wie Jörg Burkhard, Bert Papenfuß und Jürgen Schneider trifft, dann ist das kein Zufall.

PФRART ist für 2.–€ erhältlich im Verlag der Privatdrucke von Otfried Rautenbach, Handschuhsheimer Landstr. 92 B, 69121 Heidelberg.

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Erratum

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Im Editorial der IDIOME Nr. 8 schrieb ich, daß die dort publizierten Auszüge aus dem Konvolut »bauelemente zu dr. v. h.« der bislang publizierten Prosa Gunter Falks eine neue Facette hinzufügen würde – das träfe auch zu, wäre der Autor dieses Textes tatsächlich Gunter Falk. Zwar firmiert besagtes Konvolut im Österreichischen Literaturarchiv als Text Falks, sein Autor ist aber in Wahrheit Max Riccabona, mit dem Falk in brieflichem Austausch stand. Ich verdanke diesen Hinweis Paul Pechmann. Ich hätte das auch selbst wissen können, mißtrauisch werden müssen; im Weg stand mir dabei gewiß auch Autoritätsgläubigkeit einer Institution wie dem Österreichischen Literaturarchiv gegenüber, wo Falks Nachlaß seit 1999 als »aufgearbeitet« gilt und wo anscheinend niemand auf die Idee kam, daß diese Texte einen anderen Autor haben könnten. Während ich mir eingestehen muß, Gunter Falk bei meinen Bemühungen, seinem Nachruhm etwas nachzuhelfen, einen Bärendienst erwiesen zu haben, bleibt immerhin die Hoffnung, geneigte Leser könnten sich für das Werk beider viel zu wenig beachteter Autoren interessieren lassen.